

DAS WARTEN
DAS WARTEN ist ein partizipatives Fotoprojekt über die Erfahrung des Wartens im Schweizer Asylsystem. Gemeinsam mit sieben Geflüchteten entstand über mehrere Jahre eine Sammlung aus Fotografien, persönlichen Zeugnissen und Bildern, die die Teilnehmenden selbst gemacht haben. Im Zentrum steht die Frage, was mit Menschen passiert, wenn ihre Zeit nicht mehr selbstbestimmt ist und Warten zu einem wesentlichen Teil ihres Alltags wird. Das Projekt möchte diese oft unsichtbare Erfahrung nicht statistisch oder bürokratisch erklären, sondern persönlich und visuell erfahrbar machen.
- Ardennes Fatimah Ornati
- Miriam Frei
- Anaëlle Imseng
- Sara Sayed
- Caroline Vrablik
2026
Impressionen
Fragen an die Projektmachenden
Wie willst du deine Idee umsetzen? Was braucht ihr dafür?
Der erste konkrete Output des Projekts wird ein Fotobuch sein, das die über mehrere Jahre entstandenen Fotografien und Geschichten zusammenführt. Das Buch verstehe ich jedoch nicht als Endpunkt, sondern als Ausgangspunkt für weitere Formate: Ausstellungen, Gespräche und vor allem Workshops in Asylzentren. Dabei möchte ich fotografische Praktiken als niederschwellige Möglichkeit nutzen, gemeinsam kreativ zu sein, sich auszutauschen und einen Zugang zu Kunst zu schaffen, unabhängig davon, welche Sprache man spricht. Dafür benötige ich finanzielle Unterstützung für die Buchproduktion sowie für die Entwicklung und Durchführung der Workshops.
Was hat dich zu diesem Projekt inspiriert? Was treibt dich an?
Der Ausgangspunkt war meine Freundschaft mit Amos (Pseudonym), einer jungen Person aus Äthiopien, die ich 2024 in einem Bundesasylzentrum in Zürich kennengelernt habe. Ich begann, dort Zeit zu verbringen, gemeinsam zu essen und Menschen kennenzulernen. Durch meine zunehmende Freundschaft mit Amos wurde mir bewusst, wie viel Zeit zwischen Ankunft und einer möglichen neuen Lebensperspektive liegen kann. Während Flucht und Ankunft viel Aufmerksamkeit erhalten, bleibt dieses lange Dazwischen oft unsichtbar. Aus dieser persönlichen Begegnung entstand der Wunsch, diese Erfahrung gemeinsam fotografisch zu untersuchen und anderen Menschen eine Perspektive darauf zu ermöglichen.
Was möchtest du mit dem Projekt erreichen/ausprobieren?
Ich möchte Menschen erreichen, die bisher wenig oder keine Berührung mit der Realität von Asylsuchenden hatten, und ihnen ermöglichen, sich auf eine persönliche und nicht nur informierende Weise mit dem Thema auseinanderzusetzen. Gleichzeitig möchte ich das Projekt zurück an die Orte bringen, an denen diese Realität stattfindet: in Asylzentren. Durch Workshops mit Fotografie möchte ich dort gemeinsam mit Bewohner:innen Bilder machen, über Bilder sprechen und einen Moment des kreativen Austauschs schaffen. Mich interessiert dabei besonders, was entstehen kann, wenn Kunst nicht nur etwas ist, das man betrachtet, sondern etwas, das man gemeinsam macht.
Wo möchtest du dich in dem Projekt persönlich weiterentwickeln
Ich möchte lernen, noch offener und sicherer mit Menschen zu kommunizieren und zusammenzuarbeiten, deren Lebensrealitäten, Erfahrungen oder Sprachen sich von meinen unterscheiden. Gerade die Arbeit an DAS WARTEN hat mir gezeigt, dass Verständigung nicht immer über Sprache funktionieren muss. Fotografie kann ein gemeinsamer Ausgangspunkt sein, um sich kennenzulernen, etwas zu teilen und miteinander Zeit zu verbringen. Ich möchte meine künstlerische Praxis deshalb weiter als Werkzeug für Begegnung verstehen und ausprobieren, wie Kunst soziale Räume öffnen kann.
Welche Werte sind dir in deinem Projekt besonders wichtig?
Zusammenarbeit, Ehrlichkeit und Geduld sind für mich zentral. Zusammenarbeit bedeutet, dass die Menschen, die Teil des Projekts sind, nicht nur fotografiert oder dargestellt werden, sondern selbst an der Entstehung des Werkes beteiligt sind. Ehrlichkeit bedeutet für mich, die eigenen Grenzen und die eigene Perspektive anzuerkennen und nicht so zu tun, als könnte ich die Erfahrungen anderer vollständig verstehen. Geduld ist besonders wichtig, weil echte Beziehungen Zeit brauchen – genau wie dieses Projekt selbst.
Wie trägt dein Projekt dazu bei, die Gesellschaft gerechter oder nachhaltiger zu gestalten?
DAS WARTEN möchte dazu beitragen, Menschen nicht auf ihre Fluchtgeschichte oder ihren Status als „Geflüchtete“ zu reduzieren. Durch ihre eigenen Bilder und Perspektiven werden sie zu aktiven Mitgestalter:innen des Projekts. Gleichzeitig schafft die Arbeit Möglichkeiten für Begegnung zwischen Menschen, die im Alltag oft getrennt voneinander leben. Besonders durch die geplanten Workshops möchte ich einen Raum schaffen, in dem nicht über Menschen gesprochen wird, sondern gemeinsam mit ihnen etwas entsteht. So kann Fotografie zu einem Werkzeug für Austausch, Sichtbarkeit und gegenseitiges Verständnis werden.
Wo stehst du mit dem Projekt? Was sind nächste Schritte?
DAS WARTEN befindet sich nach mehr als zwei Jahren Arbeit in einer entscheidenden Phase: Die Fotografien, Interviews und Beiträge der sieben Protagonist:innen sind gesammelt und werden aktuell zu einem Fotobuch zusammengeführt, das 2027 bei Artphilein erscheinen soll. Momentan konzentriere ich mich auf die Finanzierung der Buchproduktion und die Vorbereitung der nächsten Projektphase. Parallel entwickle ich erste Ideen für fotografische Workshops in Asylzentren und suche nach geeigneten Partnerorganisationen und Orten, mit denen ich diese umsetzen kann.
Wo setzt du dein Projekt um? Wen möchtest du ansprechen?
Das Projekt begann im Bundesasylzentrum in Zürich und hat sich durch die Begegnung mit sieben Geflüchteten über verschiedene Kantone der Schweiz entwickelt. Mit dem Buch, Ausstellungen und insbesondere den geplanten Workshops möchte ich sowohl Menschen erreichen, die bisher wenig über die Erfahrung des Wartens im Asylsystem wissen, als auch Menschen, die selbst in Asylzentren leben. Dabei möchte ich bewusst unterschiedliche Gruppen zusammenbringen: Bewohner:innen von Asylzentren, interessierte Bürger:innen, junge Menschen, Kulturschaffende und soziale Organisationen. Ich stehe bereits mit einigen Integrationsinitiativen wie Capacity, BRAVA und Social Fabric in Kontakt.
Diese Inhalte wurden vom entsprechenden Projekt verfasst.
Weitere Informationen
Titelbild: © Ardennes Fatimah Ornati


