Aktiv mit youngCariras

Aktiv mit youngCariras

Melde dich bei uns!

Wir brauchen deine Unterstützung für unsere Aktionen und Freiwilligeneinsätze, melde dich jetzt als Solidaritäter und Solidaritäterin an.

World map

Die Zukunft ist ungewiss

Geschrieben von Gastautoren, 12. August 2016 0 Kommentare

Jens Steuernagel arbeitet für Caritas Schweiz in Äthiopien. Als Delegierter koordiniert er in Zusammenarbeit mit den Caritas-Partnerorganisationen die Nothilfe vor Ort. Jens ist Anfang Juli 2016 in die betroffenen Gebiete gereist und hat mit vielen Menschen gesprochen, die unter der Dürre leiden. So ist die Kurzporträtserie in diesem Blog entstanden. Im Interview fasst Jens die aktuelle Lage zusammen und wagt einen Ausblick.

Wie ist die Situation in den betroffenen Gebieten?
Seit zwei Jahren hat es in weiten Teilen des Landes nicht mehr geregnet. In den besonders stark betroffenen Gebieten wohnen vor allem nicht sesshafte Bauern, sogenannte Pastoralisten. Die Viehherden, mit denen sie sich ihr Überleben sichern, sind sehr stark geschrumpft. Die meisten besitzen nur noch einige Ziegen und Schafe. Viele ziehen schon lange nicht mehr weiter, weil sie die Hoffnung aufgegeben haben, dass sie ein ertragreicheres Weidegebiet finden. An den Strassenrändern liegen verhungerte Tiere.

Bauern, die vor allem Feldbau betrieben, sind vom Regen abhängig. Gibt es zu wenig oder gar keinen Regen, fällt die Ernte aus oder ist so gering, dass sie nicht zum Überleben reicht. Viele Menschen haben ihre letzten Saatgutreserven als Nahrungsmittel benutzen müssen. Zusätzlich zu der verheerenden Dürre der letzten zwei Jahre kam es in diesem Jahr teils zu starken Überflutungen, die das Saatgut auf den bestellten Feldern einfach fortgewaschen haben.

Die betroffenen Menschen sind verzweifelt und sehen selber keinen Ausweg aus der Misere. Sie sind auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Die Regierung macht zusammen mit den internationalen Hilfsorganisationen viel und verhindert das Schlimmste.

10 Millionen Menschen sind allein in Äthiopien von Hunger bedroht. Ist absehbar, dass sich die Situation in den nächsten Monaten entspannt?
Der Regen hat nun endlich wieder eingesetzt. Aber von Entspannung kann noch keine Rede sein. Die Bauern haben weder genug Saatgut noch ausreichend Pflugochsen, um ihre Felder zu bestellen. Nur ein Fünftel aller Ochsen haben die letzten zwei Jahre überlebt. Viele von ihnen sind zu schwach für die anstrengende Pflugarbeit. Meteorologen wie auch die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen sagen zudem voraus, dass es nach der jüngsten Dürre weitere Wetterextreme geben wird.

Was sind die dringlichsten Probleme der Betroffenen? Welche Unterstützung brauchen sie, um über die Krise hinwegzukommen?
Neben Nahrungsmitteln brauchen die Menschen jetzt vor allem wieder ausreichend Regen. Nur das kann wirklich und langfristig helfen. Sie benötigen schnellkeimendes Saatgut und genug ordentliches Futter für ihre Pflugochsen. Zeit ist das grösste Problem, denn der Regen hat wieder eingesetzt und die Feldarbeit muss jetzt beginnen.

Die Dürre in Ostafrika ist eine Folge des Klimawandels. Ist zu befürchten, dass es in Ostafrika häufiger zu solchen Katastrophen kommt in Zukunft?
Das ist wahrscheinlich. Nach den jüngsten Auswirkungen im Zuge des El-Niño-Phänomens werden jetzt – wenn auch abgemildert – Effekte des so genannten La-Niña-Phänomens erwartet. Es liegt aber in der Natur der Sache des Klimawandels, dass seine Auswirkungen unberechenbar sind. Das ist das Schwierigste an der ganzen Situation: dass man nichts vorhersagen kann. In jedem Fall sind heute noch unmittelbar die Auswirkungen der vergangenen Dürrejahre und nachfolgenden Überschwemmungen zu spüren. Daher müssen die Menschen jetzt so unterstützt werden, dass sie sich schnell erholen und ohne Hilfe zurechtkommen.

Fotos: Jens Steuernagel, Caritas Schweiz.