Der Wiederaufbau der Melamchi Gyang Schule - Blogbeitrag von Loic Chopard

Von Loic Chopard [1]

Obwohl nur 40 km Luftlinie von Kathmandu entfernt, ist es eine achtstündige Fahrt zur Melamchi Gyang Schule. Steile Anstiege hoch die unbefestigten Strassen, den Melamchi-Fluss auf gefallenen Bäumen überquerend und scharfe Kurven neben drohenden vertikalen Klippen – so sieht die Reise nach Melamchi Gyang aus. Wir erreichen das Dorf bei Einbruch der Dunkelheit. Die frische Luft auf 2600 Höhenmetern, die tibetisch aussehenden Steinhäuser, aus denen der Geruch des Holzfeuers kommt, und die Himalaya-Gipfel direkt hinter dem Dorf: es ist ein vollkommenes Gefühl der Abgeschiedenheit und ein herrlicher Kontrast zu der Hektik des verschmutzten Kathmandu.

Wir verbringen den Abend auf dem Holzboden einer Yolmo-Küche, wo die Hausbesitzerin, eine Dame von respektablem Alter, uns tibetischen Tee und Dhal Baat, das traditionelle nepalesische Essen, serviert. Yolmos sind indigene Leute des Helambu-Gebiets, in dem Melamchi Gyang liegt. Meine nepalesischen Kollegen müssen sich sehr bemühen, um die Yolmo-Sprache unserer Gastgeber zu verstehen.

Nach einer erholsamen Nacht erwartet uns ein frühes Frühstück mit tibetischem Brot und Tee. Wir machen uns dann auf den Weg zu dem Ort, an dem die Melamchi Gyang Schule stand, bevor sie im Erdbeben 2015 vollständig zerstört wurde. Unsere Aufgaube für den Tag ist es, eine Schulung durchzuführen, um die perfekte Planung und Vorbereitung der neuen Schulgebäude zu gewährleisten. Zudem treffen wir eine andere NGO, die das Wohnheim der Schule wiederaufbaut, um die Bauarbeiten zu koordinieren.

Dies ist der unsichtbare Teil eines Bauprojekts: die Monate, die notwendig sind, um die ersten Entwürfe zu skizzieren, den sozialen Kontext und die Wünsche der lokalen Bevölkerung zu verstehen, topographische Verhältnisse und Konstruktionsdetails zu studieren, Baupläne zu zeichnen, Kosten zu schätzen und zu optimieren ... und manchmal wieder von vorn anfangen. Alle diese Arbeitsschritte sind notwendig, um sicher zu stellen, dass die Schulen erdbebensicher sind und den Bedürfnissen der Schulkinder und Lehrpersonen entsprechen. Eine gründliche Vorbereitung ist wichtig, kann aber auch frustrierend sein – viel Aufwand wird benötigt, aber es ist noch kein wirklicher Fortschritt vor Ort zu sehen. Hier stehen wir mit der Melamchi-Gyang-Schule: Es wurde viel Vorbereitungsarbeiten gemacht, aber der Schulwiederaufbau selbst hat noch nicht begonnen.

Schulkinder in ihrer Schuluniform begleiten uns auf unserem Spaziergang zur Schule. Wir gehen durch die "temporären Schulzentren" - wo der Unterricht seit fast zwei Jahren stattfindet - und erreichen die Außenversammlungsfläche rechtzeitig, um die morgendliche Versammlung zu sehen. Die Schulkinder stehen in langen Reihen vor einer Bühne, wo ein Schüler die täglichen Ansagen auf dem Mikrofon macht. Danach singen die Schulkinder aller Altersstufen stolz die Nationalhymne.

Der Schulleiter lädt uns dann unerwartet auf die Bühne und gibt uns das Mikrofon. Wir werden gebeten, uns vorzustellen und ein paar Worte zu unserem Projekt zu sagen. Das Wort "Ingenieur" scheint unter dem jungen Publikum Aufmerksamkeit zu erregen.

Unerwartet verziert uns der Schulleiter mit einem hellen Nepali-Schal und bedankt sich für unsere Arbeit. Wo ich nach zwei Jahren vorübergehender Klassenräume und ungeduldigen Fragen über den Start des Wiederaufbaus Frustration erwartet hätte, erhielten wir Dankbarkeit. Auch wenn wir noch keinen einzigen Stein gelegt haben.

Der Wiederaufbau der Melamchi Gyang Schule wird nach der Regenzeit im Herbst 2017 beginnen. Caritas Schweiz baut insgesamt 34 Schulen in Sindhupalchok/Nepal wieder auf.  Bis Ende April wurden fünf Schulen fertiggestellt, weitere 10 Schulen sind momentan im Bau.

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[1] Loic Chopard arbeitet für die Caritas Schweiz in Nepal im Rahmen seines Zivildiensts. Der ausgebildete Bauingenieur unterstützt das lokale Team organisatorisch und mit seiner technische Expertise.

VOR 33 Tagen