AWARDREISE: Delhi – eine farbenfrohe Stadt mit vielen Gegensätzen

Seit vier Tagen befinden wir uns in der farbenfrohen, geruchsvielfältigen und geräuschvollen Hauptstadt Indiens. Wir sind überwältigt von den zahlreichen neuen Eindrücken und den vielen Menschen auf den Strassen des lebhaften Delhis.

Nachdem wir am Wochenende auf Erkundungstour in Delhi waren, besuchten wir am Montagmorgen den Hauptsitz der Organisation Chetanalaya. Wir wurden sehr herzlich empfangen und anhand eines Kurzfilmes in die verschiedenen Projekte des Hilfswerks, welches von der Caritas Schweiz mitfinanziert wird, eingeführt. Chetanalaya setzt sich seit über 40 Jahren zum Ziel, einen Beitrag zu einer gerechteren Gesellschaft zu leisten. Kernanliegen der Organisation sind die Verbesserung der Lebensbedingungen der ärmeren Bevölkerung, Bekämpfung von Menschenhandel, Förderung der Gleichberechtigung, Bildung sowie rechtliche Unterstützung. Wir reisten vom Hauptsitz eine Stunde in ein Aussenquartier, wo die tatsächliche Arbeit der Organisation gemacht wird. Der Abfall der Stadt wird in dieses Quartier transportiert und dort zu riesigen Abfallbergen aufgeschüttet. Dies hat zur Folge, dass der Grossteil der Quartierbevölkerung im Bereich des „Ragpickings“, das heisst im Bereich des Sammelns und Sortierens des Mülls, tätig ist. Das Quartier und sein Geruch waren im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubend. Die hygienischen Umstände und der Dreck, in welchem sich die Leute tagtäglich bewegen, befremdeten uns und wir wurden uns der extremen Kontraste in der Gesellschaft der Millionenstadt bewusst. Hoffnungsvoller stimmte uns der anschliessende Besuch des Recyclingprojekts Chetanalayas, wob Petflaschen nach Farbe sortiert, komprimiert und anschliessend an Firmen weiterverkauft werden. Anstatt den Weg über Zwischenhändler zu gehen, verkaufen die Ragpicker ihren Müll direkt an die Recyclingfirmen und können so einen höheren Profit erzielen. Zudem wurden mit dem Projekt neue Arbeitsplätze geschaffen und es freute uns zu hören, dass das Projekt sich selbst finanziert.

Auch am zweiten Tag reisten wir in das besagte Aussenquartier. Um die Chancengleichheit, im noch immer vom ehemaligen Kastensystem geprägten Indien zu erhöhen, wird versucht alle Kinder möglichst früh einzuschulen. Diese frühkindliche und schulische Betreuung hat zudem den Vorteil, dass die Eltern ohne Einschränkung einer Arbeit nachgehen können. Wir besuchten einige dieser Klassen und zeigten unsere mitgebrachten Bilder aus der Schweiz. Gerne hätten wir etwas mehr Zeit in den Klassen verbracht, um die Kinder besser kennenzulernen und ihre Welt zu entdecken.

Nach einem köstlichen Chai ging es weiter zu einem Papierrecycling-Projekt. Hierbei durften wir den gesamten Prozess der Weiterverarbeitung gebrauchten Papieres mitverfolgen. Dieses wird in der Folge sowohl an grosse Unternehmen weiterverkauft als auch von Chetanalaya selbst verwendet. Die Fabrikangestellten waren früher Ragpicker und führen heute ein präzises und von uns als sehr schön empfundenes Handwerk durch.

Es waren zwei sehr lehrreiche Tage und wir freuen uns auf weitere inspirierende Begegnungen und Eindrücke.

Leonie & Linda

(Anm. d. R.: Leonie und Linda sind die Gewinnerinnen des Awards 2016 und dürfen daher zwei Wochen lang Indien bereisen. Reiche auch du dein Projekt ein und begleite uns nächstes Jahr in ein Caritas-Projektland!)

VOR 81 Tagen