Awardreise 2019 Kosovo - Erlebnisbericht #I

Am Freitag, 6. September um 18.34 Uhr startete unser Abenteuer. Nach einer langen Bahnfahrt bis Bari (Italien) brachte uns am Samstagabend die Fähre nach Durrës (Albanien). Die letzte Etappe unserer Anreise meisterten wir am Sonntag mit einer vierstündigen Busfahrt von Durrës nach Prishtinë (Kosovo).

Am Montag startete unser Programm mit einem Besuch der Caritas Schweiz im Kosovo. Dort wurden wir vom Team herzlich begrüsst und erhielten erste Informationen zu den Caritas-Projekten. Am Nachmittag waren wir in der Schweizer Botschaft eingeladen. Am Montagabend gingen wir müde und mit einem Kopf voller Informationen ins Bett.

Am Dienstag durften wir mit dem SHPRESE Projekt einen Kindergarten in Vushrri und Mitrovicë besuchen. Die liebe Shuki aus dem Caritas Schweiz Team hat unsere Geschichte auf Albanisch übersetzt. Die Lehrkräfte bereiteten eine Lektion mit „Fennek findet ein neues Zuhause“ vor. Die Inszenierung und Erzählung des Buches durch die Kindergärtnerinnen und die Kinder war herzerwärmend und machte uns stolz. Für die Kinder war es die erste Schulwoche und so wurde anhand des Buches die Thematik Schulanfang, Freunde finden und Similarität angesprochen.
Nach diesen beiden intensiven Besuchen ging unsere Reise weiter nach Prizren, wo wir bei einem traditionellen Essen das kosovarische Fussballteam in der Qualirunde für die Europameisterschaften anfeuerten.

Kreshink aus dem Caritas Schweiz Team ist in Prizren aufgewachsen und führte uns am Mittwoch durch die Stadt. In Prizren fällt die ethnische und religiöse Vielfalt des Landes auf. Unser Sightseeing bewegte sich in einem kleinen Umkreis, denn neben der katholischen Kirche liegt direkt die orthodoxe Kathedrale  und nur ein paar Schritte weiter eine Moschee.
Am Nachmittag machten wir uns an den Aufstieg zu der Burg von Prizren, erfuhren viel Geschichtliches von Kreshnik und genossen anschliessend die atemberaubende Aussicht auf die Stadt und die Berge.
Am Abend ging es dann schon wieder zurück nach Pristhinë.

Am Donnerstag klingelte unser Wecker schon um 06:30 Uhr. Ein interessanter Tag mit Swisscoy stand auf dem Programm. Nach einer spannenden Einführung im Camp ging es los nach Mitrovicë. Hier besuchten wir zuerst das Minors Monument, das für die Zusammenarbeit von serbischen und albanischen Menschen in den Minen steht. Dieses Monument steht genau in der Stadt, welche durch einen Fluss in einen Nord- (serbisch) und Südteil (albanisch) mit je eigenen Bürgermeistern geteilt ist.
Unser nächster Halt war im Youth Centre in Mitrovicë, das sich direkt bei einer Brücke befand, die durch die EU als Zeichen der Verbindung von Nord und Süd gebaut wurde. Leider ist die Brücke bis heute nur für Fussgänger geöffnet.
In Malisevo traffen wir auf das erste Liaison und Monitoring Team (LMT). Beim Mittagessen konnten wir viel über deren Arbeit erfahren.
Nächster Halt: Golden Eagle Factory in Prizren. Hier konnten wir einen gut funktionierenden Betrieb kennenlernen und erfahren, wie aus einem kleinen Familienunternehmen eine grosse Getränkeproduktion mit Export in verschiedenste Länder entstanden ist.
Zurück im Camp erhielten wir eine kurze Führung im Medical Centre.
Ein feines Abendessen im Swiss House des Camps rundete den sehr spannenden und intensiven Tag ab.

Am Freitag besuchten wir zusammen mit dem Team SUREP (Reintegration von Kosovarinnen und Kosovaren) das Kosovo Rehabilitation Centre for Torture Victims. Dieses kümmert sich unter anderem um die psychische Rehabilitation von Opfern sexueller Gewalt während des Krieges.
Am Nachmittag trafen wir die Verantwortlichen des Humanitarian Law Centre. Dieses führt das Kosovo Memory Book. In diesem wird festgehalten wie, wo und wann Menschen während des Krieges verstorben sind. Ihre Aufgabe ist auch, die noch immer vermissten Personen zu finden und identifizieren. Die Zahl der vermissten Personen liegt heute noch immer bei ca. 1'640. Die Suche gestaltet sich teilweise sehr schwierig.

Nach dieser ersten sehr informativen und auch emotional nicht immer ganz einfachen Woche verbrachten wir ein freies Wochenende in Pejë. Zweimaliges Ausschlafen, Schlendern durch den Bazar von Pejë und eine Wanderung im Rugova Valley sorgten für einen entspannenden Ausgleich zur sonst sehr intensiven Zeit im Kosovo. Wir genossen schönes Wetter, die Berge und sehr freundliche Menschen.

Nach der ersten Zeit hier stellt sich der Kosovo für uns als sehr interessantes Land heraus. Die Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Menschen ist überwältigend. Trotz der nach wie vor sehr schwierigen und teils fast aussichtslosen Situation des Landes spüren wir nach wie vor Hoffnung und sind beeindruckt von den Menschen, die wir getroffen haben und die sich voll und ganz für ihr Land einsetzen.

VOR 52 Tagen