MigrAction Tag 3

Nach einem ausgiebigen z’Morgen haben wir gestärkt in den dritten Tag gestartet. Zu Beginn haben uns zwei Personen aus dem OK eine Übersicht über Flucht und ihre Ursachen gegeben. Besonders eindrücklich waren Zahlen und Fakten: die grosse Mehrheit der geflüchtete Menschen befinden sich innerhalb ihres eigenen Landes oder in den jeweiligen Nachbarländern, die so vor grosse Herausforderungen gestellt werden. Ganz viele sind zudem nicht als Flüchtlinge anerkannt, da sie die Kriterien der Genfer Flüchtlingskonvention nicht erfüllen. Nur ein marginaler Teil aller geflüchteten Menschen erreichen Europa oder die Schweiz.

Nach diesen Grundlagen haben wir uns mit zwei spezifischen Situationen, die derzeit Menschen zur Flucht zwingen, auseinandergesetzt: Venezuela und Myanmar. Eine Programmmitarbeitern von Caritas Schweiz führte uns nach Südamerika: In Venezuela sind Menschen bereits des längeren Opfer von einem zermürbenden, politischen Machtkampfes, der die Lebensumstände in Venezuela drastisch detonieren lässt. Viele Menschen haben sich in die Nachbarländer abgesetzt, die bis anhin mit enormer Solidarität geantwortet haben. Doch je länger die Situation andauert, desto grösser werden Herausforderungen bezüglich beispielsweise Unterkunft, Arbeits- und sozialer Integration, Bildung und medizinischer Versorgung.

Für eine Einführung in die komplexe Situation rund um die Rohingya erhielten wir Besuch vom Programmverantwortlichen für Bangladesch beim Schweizerischen Roten Kreuz. Im Vielvölkerstaat Myanmar sieht sich die muslimische Minderheit der Rohingya seit Jahrzehnten andauernder Diskriminierungen ausgesetzt. Nach grösseren Fluchtbewegungen in den 70er und 90er ist die Situation nun im Jahr 2017 eskaliert: duzende Menschen sind vor massiven Menschenrechtsverletzungen Seitens Myanmars über die Grenze nach Bangladesch geflüchtet. Wie begegnet nun das Land wie auch die internationale Gemeinschaft dieser Herausforderung? Der Regionalbüroleiter vom Schweizerischen Roten Kreuz in Cox’s Basar schilderte uns eindrücklich vom Engagement der verschiedenen NGO’s und berichtete aus dem Alltag der Menschen in den Flüchtlingslager. Obwohl die Lager – gerade im Vergleich zu Moria auf Lesobs – sehr gut funktionieren, mangelt es den Menschen an Perspektiven. Die aussichtslose, frustrierende Situation führt nun je länger je mehr zu Spannungen zwischen einzelnen Gruppen. Ein Lichtschimmer gibt es dennoch: in den Camps kam es nicht zu den von vielen Seiten gewarnten COVID-19 Ausbrüchen. Weshalb dies so ist, wird derzeit abgeklärt.

Nach dem dichten Morgen haben wir uns am Nachmittag unser Freizeitprogramm verdient. Einige erhielten eine Führung in der nahegelegenen Moschee, andere blieben beim Haus und genossen die Sonne, während sich die mutigsten in die bereits kalte Lorze wagten. Den Abschluss bildete einen Filmabend, bei dem zwei aktuellere Filme aus der Schweiz die Themen Integration und Umgang mit Neuankömmlingen in der Schweiz aufgriffen. Natürlich durfte eine kleine Verpflegung nicht fehlen: die Schoggibananen vom Feuer waren leider allzu schnell weg.

VOR 7 Tagen