MigrAction Tag 2

Was bedeutet Heimat? Und wie wird ein Ort zur Heimat? Unter diesen Fragen stand der Morgen des zweiten Tages des MigrActions. In einer spannenden Diskussion tauschten sich Maria und Mohammad aus; eine junge Frau, ein älterer Mann, beide kamen jung in die Schweiz, er 1988, sie 2012. Bereichernd waren nicht nur zwei sehr unterschiedliche Perspektiven auf Einwandern und Ankommen, sondern auch auf wie sich das schweizerische Asylsystem gewandelt hat. Wo es früher für Migrant*innen gerade im Arbeitsbereich viele Möglichkeiten gab, verschwinden nicht nur diese je länger je zahlreicher. Das ganze Asylwesen wird immer restriktiver. Dennoch betonen Maria wie auch Mohammad: in der Schweiz trifft man auf sehr viele hilfsbereite und ehrliche Menschen. Angekommen sind beide schon längst und die Schweiz ist zu ihrer Heimat geworden.

Zu einer erfolgreichen Integration gehört klar eine Erwerbstätigkeit dazu, wie auch den beiden Diskussionsparter*innen klar ist. Doch was passiert mit geflüchteten Menschen, die bereits über 65 Jahre alt sind? Oder schulunerfahrenen Menschen? Solchen Aspekten aus der Arbeitsintegration sind wir mit zwei Fachpersonen der GGZ@Work nachgegangen. Kompetent haben sie nicht nur ihr Fachwissen über kantonale Abläufe geteilt, sondern auch aus ihrem reichen Erfahrungsschatz erzählt. Besonders eindrücklich erklärten sie uns, wie das System mit einer begrenzten Anzahl Lebensläufen rechnet – Menschen dann aber die unterschiedlichsten, teils auch unerwartete Wege einschlagen.

Bei einem leckeren z’Mittag konnten wir uns stärken; für einen intensiven Block am Nachmittag. Eine Fachperson der IOM Bern, eine zwischenstaatliche Organisation, informierte uns über Menschenhandel, Ressettlement und Rückkehrhilfe. Eindrücklich zeigte sie uns die diversen Hürden auf, mit denen sich Asylbewerbende konfrontiert sehen. Sie legte zudem grossen Wert darauf, die Intentionen der diversen Akteur*innen darzulegen und in Verbindung zueinander zu bringen. aa

Ab Abschluss haben uns eine Referentin vom One Happy Family Community Center auf Lesbos und eine Referentin von SOS Méditerranée eindrücklich von der tödlichen Fluchtroute übers Mittelmeer wie auch der Situation auf der griechischen Insel Lesbos geschildert. Die aktuellsten Brände im Camp Moira sind ein weiterer Tropfen in ein Fass, das bereits überlaufen ist. Denn Moria brennt bereits seit Jahren. Das gleiche gilt für unzählige Menschen, die bei der Flucht übers Mittelmeer ertrinken: solch Elend darf nicht sein. Solidarisches Handeln der Zivilgesellschaft ist enorm wichtig, doch letztlich muss auf politischer Ebene gehandelt werden. Nicht nur in europäischen Ländern, sondern auch in der Schweiz.

VOR 7 Tagen