Lucie über Secondhand

Bei ihrem Sozialeinsatz bei youngCaritas Zürich hat sich Lucie F. mit dem Thema Secondhand auseinandergesetzt. Mit der Leiterin Françoise Tsongui konnte sie ein Interview führen, das sie hier zusammenfasst:

 

Jeder, der in der Stadt Zürich lebt, kennt die Caritas Secondhand Läden und hat den ein oder anderen bestimmt schon besucht. Jedoch wissen nur wenige Leute, wie der Laden aufgebaut ist und welche Gedanken dahinter stecken. Ein Interview mit Françoise Tsoungui, die Leiterin der Caritas Secondhand-Filialen, ermöglicht mir es, den Leuten das Konzept des Ladens vor Augen zu führen. 

Insgesamt gibt es sechs Läden an verschiedenen Standorten, die alle verschiedene Charakteristiken und Strategien haben. Damit sind sie gezielt auf eine diverse Kundschaft ausgelegt. Es gibt ein sogenanntes Outlet in Oerlikon, bei dem es Fix-Preise gibt, die maximal 20.- Franken betragen. Sie bieten dort preiswerte Kleidung für Leute, die an der Armutsgrenze leben, an. Dieses Outlet ist auch sehr nachhaltig, weil man dort viel Ware anbieten kann, die zum Beispiel auch nicht die beste Qualität haben muss. Bei diesem Laden unterstützt man vor allem Leute, die am Existenzminimum leben und man bietet denjenigen mit der Kultur-Legi weitere 30 % an. Da die Caritas Secondhand-Läden aber auch Gewinn machen müssen, um ihre eigenen Kosten zu decken, aber diesen auch zu spenden, wurden auch preiswertere Läden etabliert, welche auch kostspieligere Kleidungsstücke anbieten. Diese Läden sind gezielt an Orten, bei denen in der Regel Leute mit einem höheren Einkommen leben. Das heisst aber nicht, dass Armutsbetroffene diesen Laden meiden, denn auch diese ziehen sich gerne schön an und wollen auch nicht, dass man ihnen die Armut ansieht- denn: Kleider machen Leute und auch sie wollen qualitativ hochwertige Ware. Deswegen ist die Markenmode sehr beliebt, aber auch weil die Leute sich mit einer Designermarke identifizieren oder den gleichen Auftritt wie diese Marke haben wollen. Wenn ein Markenstück in die Läden kommt, ist es immer sofort verkauft. Jedoch gibt es auch eine Gegenbewegung, die sich vor allem auf die Nachhaltigkeit fokussiert und der die Marke nicht wichtig ist. 

Zusammengefasst: Der Caritas Secondhand ist ein Profit Zentrum in einem Non-Profit-Unternehmen, um Leute in Not zu unterstützen und um ihr eigenes Überleben zu sichern. 

Wie schon erwähnt, gibt es verschiedene Arten von Kunden. Die Kunden, die sich mit der Nachhaltigkeit und dem Umweltschutz auseinandersetzen und welche Françoise als sehr informiert, gebildet und solidarisch beschreibt. Es gibt auch Kunden, welche am Existenzminimum leben und deswegen auf die Secondhand Läden der Caritas angewiesen sind. Am wichtigsten sind jedoch die Spender, welche auch ein höheres Einkommen haben und gerne ihre Kleider für einen guten Zweck abgeben und damit das Überleben der Caritas Läden sichern. Eine grosse Herausforderung für Françoise Tsoungui ist die Spendergruppe in zukünftige Kunden umzuwandeln. Denn viele Leute leben im Miskonzept, dass sie nicht in den Caritas-Secondhand-Läden einkaufen sollen, weil sie dann den Armutsbetroffenen die Möglichkeit, preiswerter einkaufen zu können, wegnehmen. Sie vergessen, dass ihr Einkauf wie eine Spende wirkt. 

Nun kommt aber die Frage auf: Wann kann man ein Kleidungsstück weiterverkaufen und welchen Sortierprozess gehen sie durch? Françoise erklärt mir, dass sie nicht wie ein klassisches Geschäft beliefert werden und eine Kollektion ausstellen, sondern dass ihnen Kleider durch eine Einwurfsklappe eingeworfen oder in den Laden gebracht werden. Sie sagt, dass sie Einwohner der Stadt Zürich sehr wohlwollend mit ihnen umgehen und Ware in einem hervorragenden Zustand liefern.  Die meisten Kleidungsstücke erhalten sie über das Wochenende, weil viele dann aufräumen oder ausmisten. Es ist sehr wichtig, dass die Ware auf gute Qualität, Zustand und Trend geprüft wird. Es ist auch von grosser Signifikanz, dass das Kleidungsstück zum Laden passt und dass sie die richtige Kundschaft dafür haben. Sonst kann man es nicht verkaufen und es nimmt wertvollen Platz weg. Wenn sie nicht die richtige Kundschaft haben, überlegen sie, ob ein anderer Standort der Caritas Läden besser passt und geben es dann an diesen weiter. Falls man keine Alternative findet, wird das Kleidungsstück an Tell Tex weitergegeben. Das ist eine Partnerfirma der Caritas und beschäftigt sich mit Füllmaterial für Autos, Berghilfe und dem Exportgeschäft, vor allem in den Balkan. 

Damit sind alle Fragen um den Sortierprozess, die verschiedenen Liegenschaften und dem Konzept aufgeklärt und man kann sicher sagen, dass man mit einem Einkauf und einer Spende ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis erhält, nur gute Kleidungsstücke und auch viele Mitmenschen unterstützt und man weiss, dass man jemand anderem eine grosse Freude bereiten wird. Ausserdem ist das Sortiment so gross, dass man in einem der Läden fündig wird, man muss zuerst einfach jeden Laden mal anschauen und ausprobieren. Egal welches Motiv man zum Einkauf hat: Spende, Umwelt oder einfach nur das Shoppen, man hat eine schöne Erfahrung und kann mit gutem Gewissen nach Hause gehen und seines Nächsten sein neues, tolles, nachhaltiges, solidarisches Kleidungsstück zeigen. 

VOR 83 Tagen