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9. März 2010

Motivierte Menschen für einen Dokfilm-Workshop zum Thema «Armut in der reichen Schweiz» gesucht!

In den Workshops lernst du, wie ein Regisseur zu denken und zu handeln. Dich intensiv mit dem Thema Armut zu beschäftigen. Und aktiv zu werden. Mit einem erfahrenen Filmer drehst du selbst einen kurzen Dokumentarfilm. Die fertigen Filme werden online und in der ganzen Deutschschweiz gezeigt. Das Ziel ist, mehr Leute für das Tabu «Armut in der reichen Schweiz» zu sensibilisieren.

Wer:
Sozial interessierte Leute zwischen 15 und 22 Jahren aus der Region Bern

Wie:
Anmelden für den Workshop kannst du dich bis 31. März 2010 bei s.hurni@caritas-bern.ch. Beschreibe uns kurz, warum Du mitmachen möchtest.

Wo:
Die Workshops finden in Bern statt.

Workshopdaten:

8. – 9., 15., 22., 29. Mai und 5. – 6. Juni 2010

Kosten:
Gratis, weitere Infos 031 378 60 00

>>> Flyer Dokfilm-Workshop

8. März 2010


HELVETIAROCKT will Schweizer Musikerinnen sichtbarer machen.

Zum heutigen internationalen Frauentag tritt die erste schweizweite Koordinationsstelle für Musikerinnen aus dem Jazz-, Pop- und Rockbereich an die Öffentlichkeit. Sechs erfolgreiche Schweizer Musikerinnen verschiedener Musikrichtungen präsentieren das neue Projekt HELVETIAROCKT, das sich für eine stärkere Präsenz und Vernetzung von Schweizer Musikerinnen einsetzt.

>>> Zur Musikplattform HELVETIAROCKT

Was will der internationale Frauentag?

Anlässlich des diesjährigen Internationalen Tages der Frau, der weltweit am 8. März stattfindet, erklärt UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon: “Bis Frauen und Mädchen von Armut und Ungerechtigkeit befreit sind, sind alle unsere Ziele – Frieden, Sicherheit, nachhaltige Entwicklung – in Gefahr.” (Ganzer Artikel…)

Basierend auf einer UNO-Resolution aus dem Jahr 1977 wird der Internationale Frauentag jährlich als offizieller UNO-Feiertag begangen, um an den historischen Kampf für die Verbesserung der Lebensbedingungen der Frauen zu erinnern.

Der erste offizielle und internationale Frauentag war das Ergebnis einer Resolution zur Ehrung der Bewegung für die Rechte der Frauen und der Bemühung um weltweites Wahlrecht für Frauen, welche auf der Internationalen Konferenz Sozialistischer Frauen 1910 in Kopenhagen verabschiedet wurde. Die Länder wurde aufgerufen, die Diskriminierung von Frauen zu beseitigen und bessere Bedingungen für die vollständige und gleichberechtigte Beteiligung an der sozialen Entwicklung zu schaffen.
(Quelle: UNO-Informationsdienst vom 05.03.2010)

>>> Erklärung zum Internationalen Tag der Frau von UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon
>>> Informationen zum UNO Milleniumsziel #3: “Gleichstellung der Geschlechter”

7. März 2010


Elsbeth Horbaty im Einsatz.

Santiago de Chile, 6.3.2010, 23:35 Uhr

Seit zwei Tagen arbeiten wir zu zweit und alles scheint einfacher. Meine Kollegin Inger wohnt in Chile seit über 20 Jahren und kennt Politik, Menschen und Ort in und auswendig. Sie erkennt die politischen und inhaltlichen Nuancen und kaum jemand kann ihr irgend einen Bären aufbinden. Für mich bestätigt sich die Strategie von Caritas Schweiz, Koordinationsstellen in wichtigen Ländern aufzubauen und mit lokalen Leuten zu besetzen. Für die aktuelle Situation in Chile nach dem Erdbeben ist Inger ein Glücksfall. Sie lebt in Chile ist aber Koordinatorin für ein Programm von Caritas Schweiz in Kolumbien.

Gemeinsam mit ihr besuchen wir mögliche Partnerorganisation und heute Samstag haben wir uns auf die Reise nach Concepcion vorbereitet, das Gebiet, das vom Erdbeben am meisten betroffen ist. Zusammen mit tausenden von Chilenen sind wir in einer der grossen Supermärkte zum Einkaufen gegangen, da alles Essen und Trinken selbst mitgenommen wird. Autos gibt es kaum zu mieten. Tausende sind wie wir unterwegs und bringen Nahrungsmittel, Wasser für Familienangehörige, Freunde und Bekannte selbst in die betroffenen Gebiete, 6 Tage nach der schlimmsten Naturkatastrophe in diesem Land.

Ich bin aus dem Hotel ausgezogen, nachdem die vorige Nacht das ganze Gebäude und die Kristallleuchter zum Schwanken gebracht hat. Eine chilenische Freundin von Inger hat uns in ihrem Haus im Südwesten von Santiago aufgenommen, wo die Häuser meist nur einen Stock hoch sind und ich fühle mich wie zu Hause. Die Tochter war zwei Tage unterwegs, um mit tausend anderen StudentInnen in den vom Erdbeben betroffenen Stadtvierteln Schutt wegzuräumen. Die Eltern packen Lebensmittel ein für eine Bauernvereinigung weiter südlich, die organische Landwirtschaft betreiben und von der sie auch nicht wissen, wie viele ihr Haus verloren haben.

An diesem schönen heissen Samstagnachmittag kann ich kaum glauben, dass nur ein paar hundert Kilometer weiter entfernt ganze Städte, Dörfer, mehr als 700 Kirchen im Schutt liegen und 2 Millionen Menschen ihre Wohnung oder Haus verloren haben. Aber morgen werde ich mehr erfahren. Unsere Bekannte in Concepcion, wo wir morgen hinfahren, bittet uns alles mitzunehmen, was wir können. Morgen werde ich mehr wissen, aber vielleicht nicht schreiben können. Das Internet in Concepcion scheint erst seit heute wieder zu funktionieren.

Auch die Natur scheint hier Gegensätzen ausgeliefert zu sein. Die brütende Hitze, die wir beim Einkaufen verspürt haben, ist jetzt in der Nacht durch einen unerwartet kühlen Wind abgelöst worden. Von Ferne hört man ein Geburtstagsfest und gleichzeitig fangen die Hunde an, zu bellen. Vielleicht ein Zeichen, dass die Erde nochmals zittern wird. Fast habe ich es schon wieder vergessen. Ich stelle meinen Rucksack und meine Schuhe neben das Bett, falls wir in aller Schnelle aufstehen müssen. Aber diesmal werde ich nicht mehr in den Kleidern schlafen. Ich fühle mich hier geborgen.

Verfasst von Elsbeth Horbaty, die für Caritas Schweiz in Lateinamerika und Afrika tätig ist.

5. März 2010


35 000 Lebensmittelpakete werden abgepackt…


Elsbeth Horbaty, die für die Caritas Schweiz in Lateinamerika und Afrika tätig ist, berichtet aus Chile.

Santiago de Chile, 5.3.2010

Heute frueh schaut Santiago aus, als waere hier nie etwas passiert. Mein Hotel im Stadtzentrum ist umgeben vom Verkehr, Menschen, die zur Arbeit hasten, Schuhputzern und Strassenwischern. Nur am Kiosk lese ich in den Zeitungen die Schreckensnachrichten aus der Erdbebenregion. Ich fahre zu Caritas Chile, im 7. Stock, ohne Lift, weil der seit dem Erdbeben nicht mehr funktioniert. Risse an den Waenden, Glasspliter, Staub im Treppenhaus. In Caritas Chile herrscht ein hektisches Telefonieren und trotzdem werde ich herzlich empfangen. Ich bringe Gruesse aus der Schweiz, wo ich weiss, dass viele Menschen jetzt an Chile denken. Ein Kollege von Caritas Oesterreich ist auch eingetroffen. Er kommt direkt aus Haiti, sein Gesicht zeigt Spuren von seinem Einsatz und der chaotischen Lage der karibischen Insel. Gemeinsam machen wir Interviews, Fotos und zusammen mit dem Chef des Nothilfestabes der Caritas Chile, stellen wir auf, was sie bereits gemacht haben und was jetzt am dringenstens benoetigt wird. Wir fahren in eine Schule und ein Lagerhaus, wo Lebensmittel gesammelt, eingepackt und in Lastwagen gepackt werden für die morgige Reise ins Erdbebengebiet.


… und anschliessend in die 20 Lastwagen verladen, und ins Katastrophengebiet rund um die Stadt Concepción gebracht.

Bei der Fahrt durch die Stadt, erzahlen die Caritas Mitarbeiter ihre eigenen Geschichten. Das Erdbeben hat Santiago nicht sehr getroffen, ausser dem Flughafengebaude. Aber alle haben ihre Geschichte erlebt und mochten sie endlich jemandem erzahlen.

Sehr spaet fahren wir zum Essen, tauschen Informationen, Geschichten und Ideen aus. Der Taxifahrer unterbricht uns. Nochmals ein starkes Beben, nun im Norden von Chile, 6.4 diesmal. “Ich glaube Chile wird es bald nicht mehr geben”, sagt der aeltere Mann. Im Restaurant flackern die neuesten Nachrichten ueber den Bildschirm, aber kaum jemand nimmt Noitz davon, eine Frau neben mir meint, sie geniesse jetzt jeden Moment noch mehr.


Elsa Velasquez

Nach 11 Uhr kommt endlich meine Kollegin Inger auch ins Hotel. Sie hat heute den ersten Flug aus Kolumbien, wo sie arbeitet, nehmen koennen. Ich mache ihr ein update und sende dann die Infos noch zur Caritas. Diesen Blog schreibe ich jetzt wirklich sehr muede. All die neuen Eindruecke, neuen Gesichter, offenen Fragen, Informationen, Geschichten von verlorenen und wiedergefundenen Angehörigen schwirren im Kopf. Eine Geschichte kommt immer hoch: Elsa Velasquez, eine 53 jaehrige Mutter, die ich heute getroffen habe, als ich das Einpacken von Lebensmitteln durch Freiwillige fotografiert habe, ist in der Nacht vom Erdbeben durch die Strassen in ihrem Stadtviertel im Zentrum von Santiago gerannt: Sie hat einen 15-jährigen Sohn der an Knochenkrebs leidet und an einer Maschine angeschlossen ist, die ihn am Leben erhält. Beim Erdbeben ging der Strom aus. Alle Nachbarn haben ihr geholfen einen Generator aufzutreiben. Ihre Kolleginnen umarmen sie, wie sie die Geschichte erzahlt. Das ist Chile.

Soeben hat die Erde gezittert und meine Haende auch. Ein mulmiges Gefühl im Magen bleibt hängen.

>>> Wie hilft Caritas Schweiz? Mehr dazu in der Newsmeldung hier.

4. März 2010


Die Gepäckabfertigung am Flughafen von Santiago de Chile unter freiem Himmel.

Soeben haben uns die ersten Photos und ein kurzer Bericht von Elsbeth Horbaty erreicht, die aus der Dominikanischen Republik, wo sie für Caritas Schweiz arbeitet, direkt ins Katastrophengebiet nach Chile gereist ist.

Santiago de Chile, 4.3.2010, um 0 Uhr 40

Ich bin heute früh um 6 Uhr zum Flughafen in Santo Domingo gefahren, mit einem Ticket nach Santiago. Ich hatte vorsorglich bereits im Internet meine Boarding-Pass bis nach Santiago ausgedruckt und hoffte, somit kaum Probleme zu haben. Noch kurz eine letzte Zigarette vor dem Abfliegen und habe gleich drei Haitianer neben mir, die mich um Zigaretten anbetteln. Sie sind seit dem Erdbeben in Haiti von Anfang Januar in der Dominikanischen Republik und versuchen irgendwie über die Runden zu kommen. Ein Polizist schickt sie weg.

Also mache ich mich auf von einem Erdbeben zum andern. Schon sehr seltsam.

Effektiv läuft alles ok mit dem Flug. In Panama sitzen Leute schon seit 3 oder 4 Tagen im Flughafen und warten aufs weiterkommen. Sie alle hatten keine Reservation und so gehe ich mit meinem Boarding-Pass ins Flugzeug, stolz, dass ich es geschafft habe.

Kurz vor der Landung rüttelt das Flugzeug heftig als wäre das die Begrüssung ins Erdbebengebiet. Die meisten Passagiere sind chilenische Rückkehrer, die zum Teil nichts von ihren Familienangehörigen gehört haben. Alle sehr nervös und das Rütteln beunruhigt die gespannte Stimmung noch mehr.

Die Landung ist gut, mit bester Beleuchtung und es scheint als wäre alles wieder normal. Erst beim Aussteigen sehe ich, dass alle Koffer auf der Landpiste stehen und jeder seinen Koffer selber heraussuchen muss. Weisse Zelte wurden aufgestellt, da das Flughafengebäude noch immer nicht benützt werden kann. In diesen Noteinrichtungen sind Zoll und Migration eingerichtet mit Stromaggregaten beleuchtet. Alles funktioniert reibungslos. Auch in Behelfszelten kann man Budget Car mieten und ein Taxi in die Stadt nehmen. Sogar Dollar in Pesos wechseln. Erstaunlich.

Bei der Fahrt durch die Stadt sehe ich nichts von dem riesigen Erdbeben, alle Strassen scheinen intakt und auch der Taxifahrer ist relativ ruhig. Nur am Radio hört man ein Programm, das versucht Familienangehörige zusammen zu führen.

Im Hotel Espana, das auf dem Internet mit 3 Sternen nicht schlecht ausgesehen hat, empfängt mich ein Chilene, der 10 Jahre in der Schweiz gelebt habt mit bestem Französisch. Er sagt, dass meine Reservation zwar gilt, aber sie hätten nur gerade noch ein Zimmer frei, dessen Türe jedoch nicht richtig zugeht. Vom Erdbeben verzogen. Ich frage nach den übrigen Gästen in diesem scheinbar so übervollen Hotel. 20 peruanische Piloten, die hier zum Einsatz gekommen sind. Und die anderen Zimmer? Ah, dort wohnt keiner, die sind seit dem Erdbeben nicht benütztbar. Als ich mit dem Lift in den 4. Stock fahre, wird mir schon etwas unheimlich. Aber ich bin hier und kann an einen Computer, der noch funktioniert ins Internet und meine Mails von Caritas Schweiz lesen. Mit einem Fusstritt mache ich meine Türe zu zum Schlafen und hoffe, dass es diese Nacht keine Nachbeben gibt. Das von heute war um 3 Uhr mit einer Stärke von 5.8, als ich noch nicht im Land war. Vielleicht ist somit diese Nacht Ruhe.

Wir danken Elsbeth Horbaty, die für die Caritas Schweiz in Lateinamerika und Afrika tätig ist, für diesen Blog-Beitrag.

>>>Aktuelle Bilder aus Chile

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