Ikwotos liegt in einem breiten Tal, flankiert von zwei hohen Bergketten. Diese Bergketten bescheren dem Tal in der Regenzeit viele Niederschläge. In der Trockenzeit dagegen versiegen in der Talebene sogar die Flüsse. Die Wasserversorgung für die Siedlungen beschränkt sich dann auf die wenigen handbetriebenen Bohrlöcher. Diese sind sehr anfällig und auch oft kaputt und somit der Zugang zu sauberem Wasser nur unzureichend. Um diesem Misstand entgegenzuwirken, hat Caritas vor 2 Jahren ein vergleichsweise sehr grosses und anspruchsvolles Projekt, mit dem Titel „Safe water for Ikwotos“, gestartet.
Ein Quellbach, der beim gegenüberliegenden Hochplateau entspringt, führt ganzjährig genügend Wasser für die Leute in Ikwotos und 3 anderen Siedlungen. Am Hang auf ca. 1000 Meter über Meer wird das Wasser gefasst und in einem Sedimentationstank von Schwebepartikeln befreit. Vom Tank geht’s in die ca. 17 km lange Hauptleitung den Hang runter. Zu passieren gibt es mehrere Zwischenanstiege und Flussbette, 3 Dörfer, die an die Leitung angeschlossen sind, eine Grabstätte und ein Flugfeld. In Ikwotos wird das Wasser am anderen Hang wieder in die zwei ca. 900 Meter über Meer gelegenen Reservoire à je 180m3 hoch geleitet. Die Reservoire sind nötig, um den Wasserbedarf in Ikwotos auch während den Spitzenzeiten zu decken. Vom Reservoir aus wird das Versorgungsnetz in der Stadt gespiesen, welches als Ringnetz mit Stichleitungen ausgelegt ist. An 27 Stellen werden in Ikwotos Wasserkiosks mit je 4 Wasserhähnen eingerichtet. Dort können die Bewohner gegen eine kleine Gebühr ihre jerry cans mit sauberem Wasser füllen. Zusätzlich zu den Kiosks werden wichtige Einrichtungen wie Schulen, Spitäler oder die Polizeistation mit einem „Hausanschluss“ versorgt.
Besonders die baulichen Arbeiten bei der Wasserfassung und beim Reservoir waren logistisch eine riesige Herausforderung. So musste jeder Zementsack, jedes Leitungsrohr, jedes Brett und jede Schraube mit zu Fuss hoch getragen werden. Meistens wird diese Arbeit von den Frauen erledigt. Ohne grosse Anstrengungen setzen sie sich die 50kg-Zementsäcke auf den Kopf und marschieren in Flipflops die schmalen und steinigen Wege hoch (die ich als hochgebirgstauglicher und -erprobter Schweizer nur mit Raichle-Bergschuhen begehe).
Ein sehr wichtiger Aspekt am ganzen Projekt ist der Betrieb und Unterhalt des ganzen Systems. Dazu werden schon während der Bauphase die operationellen Strukturen und Soft-skills, welche für den Fortbestand des Wassernetzes unablässig ist, mit und durch die Gemeinde aufgebaut. Dies stellt eine mindestens so grosser Herausforderung dar wie das Bauwerk selber, da selbst grundlegendste Dinge wie beispielsweise das Wasserpreismodell (verbrauchsabhängig, Flatrate pro Haushalt, Flatrate pro Haushaltsmitglied usw.) die Leute vor unbekannte und ungeahnte Hindernisse stellt.
Auch wenn das Netz im Dorf noch im Bau ist, so schafft es das Wasser doch bereits zu den drei Dörfern, wo bereits Wasser bezogen werden kann, und zur Flugpiste bei Ikwotos. Über einen Washout wird dort Wasser in einen Fluss abgegeben, was bereits äusserst intensiv und vielseitig genutzt wird. Insofern kann man schon vor der Fertigstellung des Projektes von einem Vollerfolg für Frau, Kind und Rind sprechen…
Herzliche Grüsse und auf bald! David