
35 000 Lebensmittelpakete werden abgepackt…
Elsbeth Horbaty, die für die Caritas Schweiz in Lateinamerika und Afrika tätig ist, berichtet aus Chile.
Santiago de Chile, 5.3.2010
Heute frueh schaut Santiago aus, als waere hier nie etwas passiert. Mein Hotel im Stadtzentrum ist umgeben vom Verkehr, Menschen, die zur Arbeit hasten, Schuhputzern und Strassenwischern. Nur am Kiosk lese ich in den Zeitungen die Schreckensnachrichten aus der Erdbebenregion. Ich fahre zu Caritas Chile, im 7. Stock, ohne Lift, weil der seit dem Erdbeben nicht mehr funktioniert. Risse an den Waenden, Glasspliter, Staub im Treppenhaus. In Caritas Chile herrscht ein hektisches Telefonieren und trotzdem werde ich herzlich empfangen. Ich bringe Gruesse aus der Schweiz, wo ich weiss, dass viele Menschen jetzt an Chile denken. Ein Kollege von Caritas Oesterreich ist auch eingetroffen. Er kommt direkt aus Haiti, sein Gesicht zeigt Spuren von seinem Einsatz und der chaotischen Lage der karibischen Insel. Gemeinsam machen wir Interviews, Fotos und zusammen mit dem Chef des Nothilfestabes der Caritas Chile, stellen wir auf, was sie bereits gemacht haben und was jetzt am dringenstens benoetigt wird. Wir fahren in eine Schule und ein Lagerhaus, wo Lebensmittel gesammelt, eingepackt und in Lastwagen gepackt werden für die morgige Reise ins Erdbebengebiet.

… und anschliessend in die 20 Lastwagen verladen, und ins Katastrophengebiet rund um die Stadt Concepción gebracht.
Bei der Fahrt durch die Stadt, erzahlen die Caritas Mitarbeiter ihre eigenen Geschichten. Das Erdbeben hat Santiago nicht sehr getroffen, ausser dem Flughafengebaude. Aber alle haben ihre Geschichte erlebt und mochten sie endlich jemandem erzahlen.
Sehr spaet fahren wir zum Essen, tauschen Informationen, Geschichten und Ideen aus. Der Taxifahrer unterbricht uns. Nochmals ein starkes Beben, nun im Norden von Chile, 6.4 diesmal. “Ich glaube Chile wird es bald nicht mehr geben”, sagt der aeltere Mann. Im Restaurant flackern die neuesten Nachrichten ueber den Bildschirm, aber kaum jemand nimmt Noitz davon, eine Frau neben mir meint, sie geniesse jetzt jeden Moment noch mehr.

Elsa Velasquez
Nach 11 Uhr kommt endlich meine Kollegin Inger auch ins Hotel. Sie hat heute den ersten Flug aus Kolumbien, wo sie arbeitet, nehmen koennen. Ich mache ihr ein update und sende dann die Infos noch zur Caritas. Diesen Blog schreibe ich jetzt wirklich sehr muede. All die neuen Eindruecke, neuen Gesichter, offenen Fragen, Informationen, Geschichten von verlorenen und wiedergefundenen Angehörigen schwirren im Kopf. Eine Geschichte kommt immer hoch: Elsa Velasquez, eine 53 jaehrige Mutter, die ich heute getroffen habe, als ich das Einpacken von Lebensmitteln durch Freiwillige fotografiert habe, ist in der Nacht vom Erdbeben durch die Strassen in ihrem Stadtviertel im Zentrum von Santiago gerannt: Sie hat einen 15-jährigen Sohn der an Knochenkrebs leidet und an einer Maschine angeschlossen ist, die ihn am Leben erhält. Beim Erdbeben ging der Strom aus. Alle Nachbarn haben ihr geholfen einen Generator aufzutreiben. Ihre Kolleginnen umarmen sie, wie sie die Geschichte erzahlt. Das ist Chile.
Soeben hat die Erde gezittert und meine Haende auch. Ein mulmiges Gefühl im Magen bleibt hängen.
>>> Wie hilft Caritas Schweiz? Mehr dazu in der Newsmeldung hier.







