Die Gepäckabfertigung am Flughafen von Santiago de Chile unter freiem Himmel.

Soeben haben uns die ersten Photos und ein kurzer Bericht von Elsbeth Horbaty erreicht, die aus der Dominikanischen Republik, wo sie für Caritas Schweiz arbeitet, direkt ins Katastrophengebiet nach Chile gereist ist.

Santiago de Chile, 4.3.2010, um 0 Uhr 40

Ich bin heute früh um 6 Uhr zum Flughafen in Santo Domingo gefahren, mit einem Ticket nach Santiago. Ich hatte vorsorglich bereits im Internet meine Boarding-Pass bis nach Santiago ausgedruckt und hoffte, somit kaum Probleme zu haben. Noch kurz eine letzte Zigarette vor dem Abfliegen und habe gleich drei Haitianer neben mir, die mich um Zigaretten anbetteln. Sie sind seit dem Erdbeben in Haiti von Anfang Januar in der Dominikanischen Republik und versuchen irgendwie über die Runden zu kommen. Ein Polizist schickt sie weg.

Also mache ich mich auf von einem Erdbeben zum andern. Schon sehr seltsam.

Effektiv läuft alles ok mit dem Flug. In Panama sitzen Leute schon seit 3 oder 4 Tagen im Flughafen und warten aufs weiterkommen. Sie alle hatten keine Reservation und so gehe ich mit meinem Boarding-Pass ins Flugzeug, stolz, dass ich es geschafft habe.

Kurz vor der Landung rüttelt das Flugzeug heftig als wäre das die Begrüssung ins Erdbebengebiet. Die meisten Passagiere sind chilenische Rückkehrer, die zum Teil nichts von ihren Familienangehörigen gehört haben. Alle sehr nervös und das Rütteln beunruhigt die gespannte Stimmung noch mehr.

Die Landung ist gut, mit bester Beleuchtung und es scheint als wäre alles wieder normal. Erst beim Aussteigen sehe ich, dass alle Koffer auf der Landpiste stehen und jeder seinen Koffer selber heraussuchen muss. Weisse Zelte wurden aufgestellt, da das Flughafengebäude noch immer nicht benützt werden kann. In diesen Noteinrichtungen sind Zoll und Migration eingerichtet mit Stromaggregaten beleuchtet. Alles funktioniert reibungslos. Auch in Behelfszelten kann man Budget Car mieten und ein Taxi in die Stadt nehmen. Sogar Dollar in Pesos wechseln. Erstaunlich.

Bei der Fahrt durch die Stadt sehe ich nichts von dem riesigen Erdbeben, alle Strassen scheinen intakt und auch der Taxifahrer ist relativ ruhig. Nur am Radio hört man ein Programm, das versucht Familienangehörige zusammen zu führen.

Im Hotel Espana, das auf dem Internet mit 3 Sternen nicht schlecht ausgesehen hat, empfängt mich ein Chilene, der 10 Jahre in der Schweiz gelebt habt mit bestem Französisch. Er sagt, dass meine Reservation zwar gilt, aber sie hätten nur gerade noch ein Zimmer frei, dessen Türe jedoch nicht richtig zugeht. Vom Erdbeben verzogen. Ich frage nach den übrigen Gästen in diesem scheinbar so übervollen Hotel. 20 peruanische Piloten, die hier zum Einsatz gekommen sind. Und die anderen Zimmer? Ah, dort wohnt keiner, die sind seit dem Erdbeben nicht benütztbar. Als ich mit dem Lift in den 4. Stock fahre, wird mir schon etwas unheimlich. Aber ich bin hier und kann an einen Computer, der noch funktioniert ins Internet und meine Mails von Caritas Schweiz lesen. Mit einem Fusstritt mache ich meine Türe zu zum Schlafen und hoffe, dass es diese Nacht keine Nachbeben gibt. Das von heute war um 3 Uhr mit einer Stärke von 5.8, als ich noch nicht im Land war. Vielleicht ist somit diese Nacht Ruhe.

Wir danken Elsbeth Horbaty, die für die Caritas Schweiz in Lateinamerika und Afrika tätig ist, für diesen Blog-Beitrag.

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