“Offenbar unternimmt Griechenland alles Mögliche, um Menschen, die in Europa Zuflucht suchen, die Tür zu verschließen, egal wie gefährdet sie sind. Die Europäische Union muss Griechenland für Handlungen, die international und europäisch festgelegte Menschen- und Flüchtlingsrechte verletzen, zur Verantwortung ziehen und schnell handeln, denn das Leben vieler Menschen ist bedroht.”
Bill Frelick, Direktor, Flüchtlingsabteilung Human Rights Watch
Lagerhaus, Flüchtlingslager, schlimmstes Gefängnis der Welt
Seit einigen Tagen kursiert auf youtoube folgendes Video, das in den Mauern des Internierungslager Pagani auf der greichischen Insel Lesbos entstanden ist. Pagani, ein ehemaliges Lagerhaus und später zum Flüchtlingslager umgebaut, hätte eigentlich für 280 Menchen Platz, beherbergt zur Zeit jedoch über 800 Menschen, darunter 300 Minderjährige. Das Video zeigt einen der Räume dieses Lagers, in dem rund 160 junge asylsuchende Flüchtlinge in inhumanen und katastrophalen Konditionen leben. Sie teilen sich eine Toilette, medizinische Versorgung ist praktisch nicht vorhanden und einige sind schon seit über 100 Tagen wie Verbrecher in diese Mauern eingesperrt.
Noch existiert Pagani, die Regierung in Athen hatte eigentlich letztes Jahr beschlossen, das Lager zu schliessen. Das UNHCR nennt die Bilder, die in den lezten Tagen aus Pagani aufgetaucht sind, „schockierend“ und Human Rights Watch spricht von einem „totalen Versagen“ der griechischen Regierung „in ihrer Flüchtlings- und Asylpolitik“.
Kai Strittmatter schreibt in seinem Artikel im heutigen Tagesanzeiger:
„Ein Gefängnis, ein geschlossenes Lager, wie man es sonst aus Drittweltländern kennt. Dabei sitzen hier keine Verbrecher, sondern Flüchtlinge. Aus dem Iran, dem Irak, aus Afghanistan, aber auch aus Nordafrika, viele haben den Weg über die Türkei gefunden, die meisten wurden in Booten in der Ägäis oder an den Küsten einer Insel aufgegriffen. Viele Minderjährige darunter, die sich ohne Eltern auf die Reise gemacht hatten. 2700 unbegleitete Kinder hat die Polizei allein 2008 gefasst, viele mehr sind wahrscheinlich untergetaucht. Rund 50 von ihnen waren zuletzt mehr als zwei Monate in Pagani interniert, dabei verstösst die Internierung von Jugendlichen auch gegen griechisches Gesetz. Diese Jugendlichen waren es, die am 18. August in den Hungerstreik traten, die die Welt zum ersten Mal aufmerksam machten auf das Lager – und damit einmal mehr auf die Politik einer überforderten Regierung.
Im Umgang mit dem anschwellenden Flüchtlingsstrom verstösst Athen mittlerweile grob nicht nur gegen Menschlichkeit und Fairness, sondern auch gegen EU-Recht – so sagt das wörtlich das UNHCR. Deutsche Richter verbieten der Polizei inzwischen immer öfter eine Rückbringung von Asylbewerbern nach Griechenland. Dabei sieht das Dublin-II-Abkommen der EU genau dies vor: Jeder Migrant muss eigentlich in dem Land seinen Asylantrag stellen, in dem er die EU betreten hat…“
Der ganze Artikel ist hier nachzulesen.
>>> Website des Noborders Camp Lesvos 2009
>>> Blog in der taz über das Noborders Camp in Lesvos
>>> Artikel von Human Rights Watch zur Situation von Flüchtlingskinder in Griechenland
>>> Kai Strittmatter: «Helft uns, das ist das schlimmste Gefängnis der Welt»






