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EIN AUS
 

BERICHTE AUS DEM AUSLAND

Dienstag, den 31. August 2010

Ikwotos liegt in einem breiten Tal, flankiert von zwei hohen Bergketten. Diese Bergketten bescheren dem Tal in der Regenzeit viele Niederschläge. In der Trockenzeit dagegen versiegen in der Talebene sogar die Flüsse. Die Wasserversorgung für die Siedlungen beschränkt sich dann auf die wenigen handbetriebenen Bohrlöcher. Diese sind sehr anfällig und auch oft kaputt und somit der Zugang zu sauberem Wasser nur unzureichend. Um diesem Misstand entgegenzuwirken, hat Caritas vor 2 Jahren ein vergleichsweise sehr grosses und anspruchsvolles Projekt, mit dem Titel „Safe water for Ikwotos“, gestartet.

Ein Quellbach, der beim gegenüberliegenden Hochplateau entspringt, führt ganzjährig genügend Wasser für die Leute in Ikwotos und 3 anderen Siedlungen. Am Hang auf ca. 1000 Meter über Meer wird das Wasser gefasst und in einem Sedimentationstank von Schwebepartikeln befreit. Vom Tank geht’s in die ca. 17 km lange Hauptleitung den Hang runter. Zu passieren gibt es mehrere Zwischenanstiege und Flussbette, 3 Dörfer, die an die Leitung angeschlossen sind, eine Grabstätte und ein Flugfeld. In Ikwotos wird das Wasser am anderen Hang wieder in die zwei ca. 900 Meter über Meer gelegenen Reservoire à je 180m3 hoch geleitet. Die Reservoire sind nötig, um den Wasserbedarf in Ikwotos auch während den Spitzenzeiten zu decken. Vom Reservoir aus wird das Versorgungsnetz in der Stadt gespiesen, welches als Ringnetz mit Stichleitungen ausgelegt ist. An 27 Stellen werden in Ikwotos Wasserkiosks mit je 4 Wasserhähnen eingerichtet. Dort können die Bewohner gegen eine kleine Gebühr ihre jerry cans mit sauberem Wasser füllen. Zusätzlich zu den Kiosks werden wichtige Einrichtungen wie Schulen, Spitäler oder die Polizeistation mit einem „Hausanschluss“ versorgt.

Besonders die baulichen Arbeiten bei der Wasserfassung und beim Reservoir waren logistisch eine riesige Herausforderung. So musste jeder Zementsack, jedes Leitungsrohr, jedes Brett und jede Schraube mit zu Fuss hoch getragen werden. Meistens wird diese Arbeit von den Frauen erledigt. Ohne grosse Anstrengungen setzen sie sich die 50kg-Zementsäcke auf den Kopf und marschieren in Flipflops die schmalen und steinigen Wege hoch (die ich als hochgebirgstauglicher und -erprobter Schweizer nur mit Raichle-Bergschuhen begehe).

Ein sehr wichtiger Aspekt am ganzen Projekt ist der Betrieb und Unterhalt des ganzen Systems. Dazu werden schon während der Bauphase die operationellen Strukturen und Soft-skills, welche für den Fortbestand des Wassernetzes unablässig ist, mit und durch die Gemeinde aufgebaut. Dies stellt eine mindestens so grosser Herausforderung dar wie das Bauwerk selber, da selbst grundlegendste Dinge wie beispielsweise das Wasserpreismodell (verbrauchsabhängig, Flatrate pro Haushalt, Flatrate pro Haushaltsmitglied usw.) die Leute vor unbekannte und ungeahnte Hindernisse stellt.

Auch wenn das Netz im Dorf noch im Bau ist, so schafft es das Wasser doch bereits zu den drei Dörfern, wo bereits Wasser bezogen werden kann, und zur Flugpiste bei Ikwotos. Über einen Washout wird dort Wasser in einen Fluss abgegeben, was bereits äusserst intensiv und vielseitig genutzt wird. Insofern kann man schon vor der Fertigstellung des Projektes von einem Vollerfolg für Frau, Kind und Rind sprechen…

Herzliche Grüsse und auf bald! David

Donnerstag, den 19. August 2010

Information & Kommunikation

Der Südsudan ist, wie schon mehrmals erwähnt, was die Infrastruktur anbelangt auf dem Boden (ich kann das nicht genug betonen, weil man sich das nicht vorstellen kann, ohne es selber gesehen zu haben). Nur sehr schleppend können Fortschritte beobachtet werden. Im Bereich der Information und Kommunikation befindet sich das Land dagegen auf der Überholspur. Ausgelassen wurden Rauchzeichen, Postkutsche, Telegramm, Printmedien und Festnetztelefonie. Eingespurt wird hier direkt bei Internet, Satelliten-TV und Mobilfunktelefonie. Es gibt zwar eine unabhängige Südsudanesische Zeitung, welche in der Aufmachung eher an eine Schülerzeitung erinnert, die ist aber nur in Juba erhältlich. Vom Festnetztelefon fehlt jede Spur. Dafür spriessen überall im Südsudan Handyantennen wie Pilze aus dem Boden. Zain, Vivacell, Safaricom, MTN und wie die Mobilfunkanbieter in Afrika alle heissen haben den Südsudan als Markt gefunden und pushen diesen enorm. Wenn man sich auf den Strassen rumschaut, hat das durchaus seine Berechtigung. Wer es sich irgendwie leisten kann und über Auflademöglichkeiten verfügt (die Notwendigkeit spielt keine Rolle), ist Besitzer mindestens eines Handys und benutzt dies auch regelmässig und gut sichtbar. Ich staune immer wieder, wer alles ein oder zwei Handy besitzt und von wo sie das Geld haben.

Telefoniert wird ausschliesslich mit Prepaid-Handys, da sich Abo-Verträge mangels Postanschrift gar nicht umsetzen liessen. Fast in jedem Geschäft kann man Guthaben, sogenannte „airtime“, kaufen. Dabei handelt es sich um Gesprächsminuten, die man auflädt. Was anfänglich in der Schweiz auch der Fall war, ist die unterschiedliche Netzabdeckung der einzelnen Anbieter. So versucht sich jeder mit der ersten Mobilfunkantenne in einem neuen Empfangsgebiet einen Wettbewerbsvorteil zu erlangen. Der Nachteil für die Benutzer davon ist, dass man zig SIM-Karten haben muss und mit jeder Karte eine neue Nummer bekommt. Dies zieht ein äusserst ausgeklügeltes SIM-Karten- und Telefonbuch-Management mit sich, welches ich noch nicht ganz durchschaut habe. Denn ständig müssen die SIM-Karten gewechselt werden, alle Kontakte mit allen möglichen Nummern müssen abgespeichert werden und beim anrufen, müssen sämtliche Nummern einer Person durchprobiert werden. Es ist hier schon fast ein Volkssport, die SIM-Karte bei besserer Sendeleistung oder besseren Preiskonditionen zu wechseln. Am Flughafen von Juba sah ich einen Mann in einer Metallbox mit weit über 10 SIM-Cards wühlen… Auch ich habe in der Zwischenzeit 2 SIM-Cards. Doch die ständige Wechslerei und das Nummer-Management wurde mir schliesslich zu mühsam, weshalb ich nur noch eine Nummer benutze (und auch die äusserst selten).

Um TV zu schauen, muss man – neben einer Stromquelle und einer Satellitenschüssel – eine Setbox zum Decodieren bestellen. Wird der monatliche Beitrag nicht ordentlich bezahlt, wird einem die Setbox gnadenlos deaktiviert, was wir hier im Caritas-Compound auch schon schmerzlich erfahren mussten. Die Senderauswahl lässt fast keine Wünsche offen: von Newssendern (BBC World, CNN oder Al Jazeera) über Sport (SuperSport mit allen wichtigen Premiere League Übertragungen :-) ) über Dokumentationen (National Geographic oder Discovery World) empfängt man hier alles wichtige. Ein Fernseher stellt hier natürlich ein absolutes Luxusgut dar, das sich nur NGOs, Hotels, Regierungsleute oder Restaurants und Bars leisten können. Letztere stellen für viele Leute die Informationsquelle dar, weshalb sich am Abend oft grosse Menschentrauben um die wenigen Bars mit TV bilden.

Noch spärlicher als TVs sind die Internetzugänge, da sowohl mehr Ausrüstung (Generator, Computer, Modem, Satellitenschüssel, Software usw.) aber auch Knowhow nötig ist. Für die meisten Leute stellt ein Computer resp das Internet auch schlicht keine Notwendigkeit dar. Internet-Cafes gibt es in Torit noch keine. Ich vermute aber, dass dies eine Frage der Zeit ist, da die Leute mit zunehmender Technik auch anspruchsvoller werden. Wir im Caritas-Compound „beziehen“ unser Internet via Schüssel von einem Provider in Europa. Geschwindigkeit und Verfügbarkeit sind wegen der Distanz und abhängig von der Witterung stark eingeschränkt im Vergleich zur Schweiz. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, habe ich mich jetzt gut an die Tücken des hiesigen Internets gewöhnt. Für immer auf eine 20′000 Kbit Leitung verzichten, möchte (könnte) ich dann aber doch nicht…

>>> Link: Was David alles zu berichten hat, kannst du hier nachlesen

Donnerstag, den 12. August 2010


Hier ein Foto, das bei einer Abschiedszeremonie an einer der Schulen aufgenommen wurde. Wir tragen traditionelle Kleider, die wir als Geschenke bekommen haben.

Back home

Liebe Leser/innen unseres Blogs!

Nun ist unsere aufregende Zeit in Äthiopien schon vorbei. Vielen Dank für euer Interesse an unseren Erfahrungen und Erlebnissen während den fünf Wochen. Wir drei werden diese Zeit nie vergessen und wenn möglich irgendwann in dieses wunderbare Land zurück kehren.

Mit vielen Erfahrungen bereichert kehren wir in die Schweiz zurück und werden bestimmt noch viele Male an die vielen Freunde, Bekannte und auch Fremden zurückdenken, mit denen wir Zeit verbringen durften.
Die dunkle Haut der Menschen vermissen wir jetzt schon etwas und auch das Schweizerdeutsch hört sich in unseren Ohren noch etwas komisch an.

Vielen Dank!
Carla, Jenny, Martina

>>> Alle Berichte des Projekteinsatzes findest du hier.

Donnerstag, den 12. August 2010

Lehrermeeting und Unterrichten

Nachdem wir uns dafür entschieden hatten, den Fokus auf den Englischunterricht zu setzen, begannen wir „speaking activities“ zusammenzustellen, die den Lehrpersonen helfen sollen, die Kinder zum Englisch sprechen zu animieren. Wir kreierten ein Büchlein welches Folgendes beinhaltet: Fragen, worauf die Kinder in Englisch antworten können, verschiedene Spiele, Lieder, kurze Geschichten und Texte. Wir organisierten an beiden Schulen ein Lehrermeeting, um das Büchlein vorzustellen. Im Gespräch erklärten wir, warum wir uns für „speaking activities“ entschieden haben, was das Büchlein beinhaltet und wie damit gearbeitet werden kann. Das Interesse seitens der Lehrpersonen war gross und wir freuten uns auf das kommende Unterrichten, wobei wir den Lehrpersonen exemplarisch zeigen wollten, welche Spiele oder Lieder mit den Kindern erarbeitet werden können.

Das Unterrichten in den Klassen war sehr interessant und für uns eine unglaublich wertvolle Erfahrung. Auch wenn in einigen Klassenzimmern bis zu 60 Kinder waren, konnten die Kinder am Ende der Lektion ein neues Lied auf Englisch singen oder sie haben ein Spiel kennengelernt. Die Lehrpersonen schätzten unsere Form des Unterrichtens sehr und waren interessiert daran, mehr zu sehen.

Trip nach Asebe Tefari

Am Freitag hatten wir als Abschluss unserer dritten Woche in Dire Dawa die Möglichkeit, mit Tafesse Sisay vom HCS Projekte in Asebe Tefari zu besichtigen. Als erstes besuchten wir eine Freizeit- und Ausbildungsstätte für Waisen- und Strassenkinder. Es war sehr eindrücklich, da wir vom Leiter eine differenzierte Einführung erhielten und wir so die Möglichkeit bekamen, das Projekt auch kritisch zu betrachten. Wir waren vom Projekt, wie aber auch vom Engagement des Leiters für die Waisen-und Strassenkinder sehr beeindruckt. Als nächstes besuchten wir eine Klinik und Schule, welche von katholischen Schwestern geführt wird. Es war unglaublich beeindruckend mit welcher Liebe für die Patienten/Patientinnen, die Schwestern von ihrer Arbeit erzählten. Im Anschluss luden uns die Schwestern zu einer traditionellen Kaffeezeremonie mit Popcorn und Gebäck in ihr Wohnhaus ein. Die herzliche Gastfreundschaft der Äthiopier/innen geniessen zu können ist jedes Mal wunderschön. Da Asebe Tefari ca. vier Stunden von Dire Dawa entfernt liegt, übernachteten wir in einem Hotel und reisten erst am Samstag zurück. Während der langen Autofahrt durften wir die Sicht auf die umwerfende Landschaft geniessen.

Lokale Gastfreundschaft

Während unseres Aufenthaltes in Dire Dawa wurden wir unzählige Male zum Essen, zu einer Kaffezeremonie oder zum gemeinsamen Zeit verbringen eingeladen. Am Sonntag waren wir bei Megedes eingeladen. Sie arbeitet an der Bisrate Gabriel School und bereitet in den Pausen das Znüni und die Getränke für die Schulkinder vor. Obwohl sie kein Englisch spricht und wir kein Amharisch, durften wir bei ihr Zuhause einen wunderschönen Nachmittag erleben. Als wir das Zimmer betraten, war es dekoriert und das Essen bereits auf dem Tisch angerichtet. Unzählige Köstlichkeiten konnten wir geniessen. Es gab gebratene, gekochte und frittierte Kartoffeln, Tibs (Fleisch), „Toorowat“: viele Stunden lang gekochtes Hünchenfleisch (Spezialität), Salat, Injera, Brot, Shiro, frittierte Spinattaschen, Reis und Gemüse. Es war wie im Schlaraffenland!!!

Wir spielten mit den Kindern mit unseren mitgebrachten Ballonen und unterhielten uns auf Amharisch/Englisch. Dies war eine sehr schöne Erfahrung. Nach dem Essen gab es noch die traditionelle Kaffeezeremonie. Zuerst werden die Bohnen geröstet und wir mussten daran riechen. (Damit beginnt die Zeremonie) Dann wird der Kaffe in kleinen Tassen ausgeschenkt. Meist wird die Tasse dann drei Mal gefüllt. Zweimal voll und einmal nur halbvoll. In den Kaffee gehört sehr, sehr viel Zucker. Zum Kaffee wird Popcorn und süsses, frittiertes Gebäck serviert. Diese herzliche und ehrliche Gastfreundschaft beeindruckt uns sehr.

>>> Weitere Berichte vom Projekteinsatz liest du hier nach

Montag, den 2. August 2010

Nachmittag mit den Schulkindern

Für die Kinder der Abune Andreas School (ca. 200 Kinder) haben wir einen freiwilligen Spielnachmittag organisiert. Nachdem unser Vorhaben erst am Morgen in den verschiedenen Klassen der Schule verkündet wurde, waren wir sehr überrascht, wie viele Kinder gekommen sind. Als wir etwas zu früh an der Schule eintrafen, warteten einige schon vor dem Schultor auf uns. Wir haben verschiedene Spiele, die wir von der Schweiz her kennen, vorbereitet und mit ihnen gespielt. Besonders beliebt waren UNO und die Fadenspiele. Je mehr Zeit vergangen war, desto offener und mutiger wurden die Kinder und auch die kleinen haben ihre besten Englischkenntnisse gezeigt. Vieles wurde aber auch einfach durch Körpersprache abgesprochen und so kam es, dass wir Spiele spielten und Sprüche mitsagten und eigentlich nicht wussten, was wir genau machen. Deshalb konnten auch wir von den Kindern profitieren und lernten einige äthiopische Spiele kennen. Einige der Spiele oder Lieder sind zu unserer Überraschung sehr mit den Spielen, die wir von der Schweiz kennen verwandt. Zum Beispiel wird das Spiel „De Fuchs gaht ume“ mit denselben Regeln auch auf Amharisch gespielt. Auch „Gummitwist“ ist vor allem bei den Mädchen sehr beliebt und einige der Hüpfmuster kamen uns bekannt vor. Leider hatten wir keine Fuss- und Volleybälle zur Verfügung. Ansonsten wären einige der Kinder bestimmt noch viel länger geblieben. Die vielen lachenden Gesichter der spielenden Kinder werden wir so schnell nicht mehr vergessen.

>>> Was die drei angehenden Lehrerinnen sonst noch in Äthiopien erleben, liest du hier.

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