Menschenhandel – In Indien ein akutes Problem

Leonie und Linda, die Gewinnerinnen der Awardreise, haben einen Einblick in die Organisation Chetanalaya erhalten und eine sehr positive Bilanz gezogen.  

An unserem dritten Tag bei der von Caritas unterstützten Organisation Chetanalaya erhielten wir einen Einblick in die Tätigkeit der Arbeitsgruppe, welche sich gegen Menschenhandel und für die Rechte Hausangestellter („domestic workers“) in Delhi einsetzt.

Aufgrund von Armut und mangelnder Bildungsmöglichkeiten migrieren sehr viele junge, zum Teil erst 14 Jahre alte Mädchen, aus ärmlichen, ruralen Gebieten in die Städte, um dort nach Arbeit zu suchen. Die Mädchen gehören grösstenteils den untersten Kasten an. In ihren Dörfern werden sie von Menschenhändlern (Mittelsmänner), welche bei sogenannten „placement agencies“ arbeiten, rekrutiert. Diese locken sie mit der Aussicht auf ein besseres Leben und die Möglichkeit, ihre Familien im Dorf finanziell zu unterstützen, an. Oftmals geben diese Agenturen falsche Kontaktangaben an. Dadurch wird eine Rückverfolgung verunmöglicht und viele der Mädchen sind später unauffindbar. Das Leben als Hausangestellte bringt soziale Isolierung mit sich. Einige der Mädchen werden von den Arbeitgebern sogar in der Wohnung eingesperrt und können ohne Erlaubnis das Haus nicht verlassen. Ausserdem leiden die meisten unter äusserst schwierigen Arbeitsbedingungen. In Indien ist bis anhin noch kein Gesetz über die Regulierung der Arbeit als Hausangestellte erlassen worden. Dies bedeutet in den meisten Fällen lange Arbeitszeiten und einen sehr tiefen Lohn. Die Mädchen leben in prekären Umständen und es kommt zu sexuellen Übergriffen. Insgesamt ist eine geschätzte halbe Million Hausangestellter in diesem informellen Sektor in Delhi tätig.

Wegen dieser schwierigen Bedingungen setzt sich Chetanalaya für die Rechte der Hausangestellten ein und verfolgt das Ziel, sowohl die Migration in die Städte sicherer zu gestalten als auch die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Hierzu hat die Organisation folgende Interventionspunkte ausgearbeitet: Sie bringt die Hausangestellten in einem Forum zusammen, hilft ihnen sich zu mobilisieren und zu vereinen, um sich selbst verteidigen zu können. Ausserdem arbeitet Chetanalaya in den Herkunftsgebieten der Angestellten und bietet in dringenden Fällen akute Hilfe an. Da sich Migration zurzeit nur schwer verhindern lässt, sollen die rekrutierten Mädchen und ihre Familien zumindest in Kontakt bleiben können, sodass die Familie über das Wohlbefinden ihrer Tochter informiert sind. Zudem engagiert sich die NGO im Parlament für den Erlass einer gesetzlichen Regulierung des Status als Hausangestellte.

Heute sind ca. 3000 Hausangestellte Teil des Chetanalaya „domestic workes forum“, um gemeinsam für ihre Rechte zu kämpfen. Dieses Projekt von Chetanalaya erscheint uns von hoher Relevanz, ist äusserst gut durchdacht und hat uns stark beeindruckt.

 

Leonie & Linda

VOR 18 Tagen